Kleinregion: Pielachtal

Masterarbeit: Mobilitätsverhalten im ländlichen Raum. Autorin: Isabella Wagner

Projektbeginn: 12/2012 Projektende: 08/2013

Projektträger:

Auftraggeber: Kleinregion

Beteiligte Gemeinden:

Schwarzenbach, Rabenstein an der Pielach, Ober-Grafendorf, Loich, Kirchberg an der Pielach, Hofstetten-Grünau, Frankenfels, Weinburg

Inhalt/Projektbeschreibung:

Isabella Wagner studiert an der Universität Wien am Institut für Geographie und Regionalforschung das Masterstudium für Raumordnung und Raumforschung. Im Februar und März 2012 hat sie ein Praktikum beim Regionalverband noe-mitte absolviert. Unter Koordinierung und Leitung von Christian Berger hat sie das Projekt „Diplomarbeitsbörse“ mitbetreut. Im Fokus der „Diplomarbeitsbörse“ steht die Kooperation von Regionen und Gemeinden mit wissenschaftlichen Einrichtungen bzw. Partnern. Aus der Vermittlung und Zusammenarbeit sollen von Studierenden praxisbezogene Themen- bzw. Fragestellungen ausgearbeitet werden. Zum Zeitpunkt des Praktikums stand Isabella Wagner selbst vor der Auswahl und Entscheidung ihres Masterthemas.

Nach Abschluss des Praktikums stellte Christian Berger den Kontakt zur Kleinregion Pielachtal her. Im Zuge des Projekts "e-mobil ist Trumpf" für die Kleinregion Pielachtal ist aus der Region die Idee zur weiteren inhaltlichen Vertiefung entstanden, vor allem hinsichtlich des Mobilitätsverhaltens (Schwerpunkt Pendeln, neue Mobilitätsformen) in der Kleinregion Pielachtal. Wissenschaftlicher Betreuer der Masterarbeit "Mobilitätsverhalten im ländlichen Raum. Nutzung regionaler Ressourcen und regenerativer Energien für neue Mobilitätsformen in der Kleinregion Pielachtal" war Prof. Martin Heintel.

Das Mobilitätsverhalten in der Kleinregion Pielachtal sowie die Einstellung zu Elektrofahrzeugen und Carsharing wurde ermittelt und analysiert. Es zeigt sich folgendes Bild:  

  • Der Anteil der befragten Personen, die zu ihrem Wohnort pendeln müssen, ist verhältnismäßig hoch. Viele davon nutzen als Fortbewegungsmittel hauptsächlich den Pkw. Dagegen spielt die Mariazellerbahn als tägliches Verkehrsmittel kaum eine Rolle (Ergebnisse der Fragen nach dem Zeitkartenbesitz sowie der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zur Fahrt zum Arbeits-/Ausbildungsort). Die Begriffsbedeutung Carsharing, die gemeinschaftliche Nutzung eines Fahrzeuges, ist vielen der befragten Pielachtalern geläufig. Allerdings sieht der Großteil der Befragten  die Anwendbarkeit für die Kleinregion Pielachtal kritisch und kaum umsetzbar. Carsharing ist unter Berücksichtigung der Befragungsergebnisse vorwiegend für den städtischen Raum denkbar. Vielfach wurde die Siedlungsstruktur und damit großen Distanzen zwischen Wohn- und Arbeits-/Ausbildungsort als ausschlaggebender Grund angeführt: „Jeder möchte mobil und flexibel sein!“ Mit der Einstellung und dem Enthusiasmus gegenüber E-Fahrzeugen verhält es sich ähnlich. Die Merkmale und Unterschiede zu herkömmlichen Fahrzeugen und deren Antriebstechniken sind Großteils bekannt. Ängste bzw. Vorurteile im Hinblick auf das „andere“ Tankverhalten und Fahrzeuganschaffungskosten überwiegen.
  • Die hohe Pkw-Nutzung bzw. Pkw-Abhängigkeit ist, wie auch in anderen ländlichen, peripheren Regionen, dominierend. Deshalb ist dieser Entwicklung und der allgemeinen Pkw-Überlegenheit mit sanften Maßnahmen („Soft Policies“) entgegenzuwirken. Der Umweltverbund, wie z.B. zu Fuß gehen, Fahrrad fahren und öffentlicher Verkehr (Mariazellerbahn), ist zu stärken und der Bevölkerung mit bewusstseinsbildenden Maßnahmen näher zu bringen. Das Bewusstsein dafür sollte bereits bei Kindern und Jugendlichen geschaffen werden, z. B. im Rahmen des Schulunterrichts, Veranstaltungen etc.
  • Das alternative Angebot zum motorisierten Individualverkehr muss für alle Altersgruppen attraktiver werden, z.B. Ausbau der Radwege, bessere Taktung der Mariazellerbahn, einheitliches Tarifsystem etc.
  • Zur Berücksichtig des ökonomischen Status quo und Darstellung der Aktivitäten im Bereich alternativer, umweltfreundlicher Mobilität sind fünf regionale Betriebe befragt worden: Trepka und Styx (Ober-Grafendorf), Naturhotel Steinschalerhof (Rabenstein), Gansch Möber (Kirchberg/Pielach), WK Fensterfertigung (Loich). Die Unternehmen befinden sich alle in unmittelbarer Nähe zur Mariazellerbahn. Trotzdem wird die Bahn nicht als tägliches Verkehrsmittel wahrgenommen und genutzt. Die Fahrzeugflotte, wie auch Fuhrparks, bestehen nach wie vor vorwiegend aus fossil betriebenen Fahrzeugen. Nur vereinzelt gibt es E-Fahrzeuge. Hervorzuheben ist die Bedeutung erneuerbarer Energien bei der Strom- und Wärmeerzeugung für die Produktionsstätten sowie Büroräume. Biomasse kommt dabei eine wesentliche Bedeutung zu (Nutzung regionaler Ressourcen: z. B. Holzabfälle). Das Bewusstsein und Know-how hinsichtlich umweltfreundlicher, alternativer Mobilitätsformen besteht, die Realisierung scheitert vorherrschend an den hohen Anschaffungs- und Haltungskosten.

 

 

Aktivitäten/Methoden:

  • Literaturrecherche: allgemeine Fachliteratur sowie vorhandene Konzepte und Studien für Niederösterreich und die Kleinregion Pielachtal, die sich mit Mobilität bzw. Elektromobilität beschäftigen (z. B. Handbuch e-mobilität ist Trumpf 2012 - im-plant-tat Reinberg und Partner, DI Martina Scherz, Energiekonzept der Leader-Region Mostviertel-Mitte, NÖ Mobilitätsstudie, ….)
  • Gespräche mit Personen aus ÖV-Organisationen
  • Interviews von Betrieben aus der Region Pielachtal
  • Fachlicher Input seitens sowie Abstimmungstreffen mit dem Kleinregionsmanagement Pielachtal sowie der Kleinregionsbetreuung NÖ-Mitte
  • Teilnahme an Kleinregionssitzungen

Die detaillierte Quellenangabe findet sich im Anhang der Masterarbeit.

Zur Ermittlung des Mobilitätsverhaltens der BürgerInnen der Kleinregion Pielachtal wurde von Februar 2013 bis April 2013 parallel eine analoge und digitale Befragung durchgeführt. Mit Unterstützung von Edith Kendler (Kleinregionsmanagerin) und Karin Peter (Kleinregionsbetreuerin NÖ-Mitte - Regionalmanagement NÖ) ist über lokale und regionale Medien auf die Befragung hingewiesen worden.

Zielgruppe der Befragung waren Personen im erwerbsfähigen Alter aus den 8 Gemeinden der Kleinregion Pielachtal. 257 Fragebögen sind insgesamt ausgefüllt worden - mehrheitlich digital. An der Befragung haben hauptsächlich Personen im erwerbsfähigen Alter teilgenommen. In Bezug auf die Geschlechterverteilung der rücklaufenden Fragebogen ergibt sich ein relativ ausgeglichenes Bild.

Projekterfolg/Empfehlungen:

Empfehlungen:

  • Fragebogen besser austesten (relativ viel Zeit für die Entwicklung des Fragebogens verwenden und fertigen Fragebogen bei Testpersonen evaluieren lassen)
  • Ausgewogenheit bei Fragebogenrücklauf aus den einzelnen Kleinregionsgemeinden anstreben (eher schwierig zu erreichen)
  • noch mehr Präsenz bei lokalen Veranstaltungen in der Region, um den persönlichen Kontakt zur Bevölkerung herzustellen (insbesondere Hinweis und Verteilung der Fragebögen)

Förderliche Faktoren:

Isabella Wagner hatte die Möglichkeit, an verschiedenen Terminen und Veranstaltungen der Region teilzunehmen. Die Teilnahme hat zum einen dazu beigetragen, die Region besser kennenzulernen und zum anderen konnten die regionalen Bedingungen und Bedürfnisse ermittelt werden. Die regionale Verankerung des Themas in der Kleinregion Pielachtal und die Unterstützung durch das Kleinregionsmanagement sowie die Kleinregionsbetreuung der Studentin wurden von ihr als besonders förderlich empfunden.

Resümee:

Das Mobilitätsverhalten ist unter anderem von physischen und psychischen Faktoren abhängig. Darüber hinaus spielt auch die Verfügbarkeit der Grunddaseinsfunktionen des öffentlichen Verkehrsangebots, die zum jeweiligen Zeitpunkt schnellste und günstigste Verkehrsverbindung etc. eine wesentliche Rolle.

Kosten und Finanzierung:

Gesamtkosten: für die Kleinregion sind keine Kosten angefallen.

Förderung: keine

Kontakt zur Kleinregion:

Schlossstrasse 1, 3204 Kirchberg an der Pielach

Tel. 02722/7309-25

E-Mail: regionalbuero(at)pielachtal.at

www.pielachtal.at

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