Kleinregion: Weinviertler Dreiländereck

Teleregionet Weinviertler Dreiländereck

Projektbeginn: 09/2003 Projektende: 09/2004

Beteiligte Gemeinden:

Wilfersdorf, Schrattenberg, Rabensburg, Poysdorf, Ottenthal, Neusiedl an der Zaya, Herrnbaumgarten, Hauskirchen, Großkrut, Falkenstein, Drasenhofen, Bernhardsthal, Altlichtenwarth

Inhalt/Projektbeschreibung:

Ausgangslage
Die Bedeutung von Bildung, Wissen und Ausbildung nimmt zu. Der Umgang mit dem PC wird sowohl im Berufsalltag als auch im privaten Bereich immer mehr zur Voraussetzung. Eine Verbesserung der Infrastrukturausstattung in unterversorgten Regionen reicht nicht aus, um Defiziten in diesem Bereich zu begegnen. Es gilt vor allem bei vorhandenen Schulungsdefiziten der regionalen Akteure anzusetzen. Basiskenntnisse im Bereich E-Mail, Internet und sonstigen Telematikanwendungen sind zwar teilweise vorhanden, werden aber viel zu wenig genutzt bzw. ist der daraus entstehende Nutzen und Vorteil nicht immer bekannt.

Projektziele
Mit Hilfe des Pilotprojektes sollte versucht werden, die Akteure in der Kleinregion Weinviertler Dreiländereck für das Thema Telematik zu sensibilisieren. Zielgruppen sind neben den GemeindemitarbeiterInnen der Mitgliedsgemeinden (AmtsleiterInnen, SekretärInnen, BürgermeisterInnen) unter anderem auch Vereine, UnternehmerInnen, PrivatzimmeranbieterInnen, DirektvermarkterInnen oder WinzerInnen.

Die verschiedenen Zielgruppen sollten im Zuge des Projekts für sie wichtige Anwendungen kennen lernen, die zum Teil schon zum Alltag der Kleinregion gehören, gleichzeitig aber noch nicht selbstverständlich sind. Dazu gehören: die Gestaltung eines Prospekts mit digitalen Fotos oder einer Powerpoint-Präsentation, die Installation einer eigenen Homepage, die Präsentation von Veranstaltungen im Internet, die Verteilung von Presseartikeln per E-Mail an regionale Zeitungen oder Kenntnisse für die Vermarktung von Produkten.

Darüber hinaus sollte der direkte Nutzen von Qualifizierungsmaßnahmen für AnwenderInnen vermittelt werden, da der stetige Anpassungsprozess verbesserte Beschäftigungschancen auf dem Arbeitsmarkt ermöglicht. Wissen über den einmal erlernten Beruf muss ständig aufgefrischt, Qualifikationen und Kompetenzen neu erworben werden. „Neue Medien“ spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Projektinhalte
Mit Hilfe eines externen Beraters, der als „Projektcoach“ die Ideen, Ziele und Maßnahmen der Projektbetreuer reflektieren bzw. Verbesserungsvorschläge liefern sollte, wurde in einem ersten Schritt eine Bedarfsanalyse (Fragebogenaktion) in der Kleinregion Weinviertler Dreiländereck durchgeführt, um ein bedarfsgerechtes Telematik-Schulungsprogramm mit Kursen entwickeln zu können.

Das Ergebnis dieser Erhebung wurde im Rahmen einer Veranstaltung in der Kleinregion präsentiert. Das anschließend entwickelte Kursprogramm (mit gezielter Unterscheidung in Berufsgruppen und Themen) wurde in der eigenen Regionszeitung „Wecker“ veröffentlicht. Kriterien waren beispielsweise: die Kursthemen, Teilnehmerzahlen, Kurskosten, Kursorte, mögliche Förderungen, Kursanbieter und dgl. Mit der gezielten Bewerbung sollte das Interesse für die Teilnahme an diesen Paketen gefördert werden. Der ersten Schulungen selbst fanden im Anschluss an das Pilotprojekt statt. Die Funktion einer Leitgemeinde übernahm die Stadtgemeinde Poysdorf, die auch über einen interessierten Mitarbeiter verfügt, der einen speziellen Zugang zum Thema Telematik verfolgt.

Als Zusatznutzen wurden die Vernetzung der regionalen AkteurInnen und der natürliche Wettbewerb in der Kleinregion gesehen.

Aktivitäten/Methoden:

Nach der endgültigen Definition der Projektinhalte, Ziele und Maßnahmen wurden in einer Vorstandssitzung die BürgermeisterInnen der Kleinregion über das Telematik-Projekt informiert und die Umsetzung abgestimmt. Es wurde beschlossen, das Projekt in zwei Phasen abzuwickeln:

  • Phase 1: Schulung der GemeindesekretärInnen
  • Phase 2: Schulung für Vereinsobleute, touristische Anbieter, WinzerInnen, KMUs etc.

Phase 1 – Schulung der GemeindesekretärInnen

Bedarfserhebung in den Gemeindestuben
Um die Schulungsangebote so effizient und praxisnah bzw. anwenderorientiert wie möglich gestalten zu können, wurden in alle Gemeindestuben zwei unterschiedliche Fragebögen ausgesandt. Neben den technischen Daten bzw. den Systemvoraussetzungen wurde auch der tatsächliche Schulungsbedarf abgefragt. Die Rücklaufquote der Fragebögen lag bei über 90 %. Die große Zustimmung wurde zwar nicht erwartet, bestätigte aber die Notwendigkeit der Telematikschulungen. Aus der Auswertung der Fragebögen ergaben sich folgende Schulungsmöglichkeiten:

Modul 1
Internet und E-Mail Grundkurs mit allgemeinen Infos zu Email, Spam, Viren, Virenimpfung etc.
Wie schütze ich mich vor Viren?  Wie werde ich meine Computerviren wieder los?

Modul 2
Bildbearbeitung für EinsteigerInnen je nach Bedarf. Adobe Photoshop für EinsteigerInnen. RIS-Kommunal mit HTML-Kenntnissen besser nutzen.

Modul 3
Office Workshop - Wie mache ich das?  Serienbrief und Co. Publikationen mit Corel Draw - gemeinsames Gestalten eines Folders, eines Plakates und einer Zeitung. Die professionelle Gemeindezeitung mit QuarkXPress. Allgemeine Einführung in Windows-Netzwerke.

Präsentation der Ergebnisse
Zur Abstimmung der weiteren Vorgehensweise wurden die oben genannten Module in einem nächsten Schritt im Rahmen einer Präsentation vom Projektteam dem Vorstand und den GemeindesekretärInnen vorgestellt. In der nachfolgenden Diskussion wurde mittels Flipchartauflistung folgende Reihung der angebotenen Module durchgeführt

  • Modul 1: Internet und Email für EinsteigerInnen,
  • Modul 2: Datenmüll im Cyberspace und
  • Modul 3: Bildbearbeitung mit Adobe Photoshop.

Phase 2 - Schulung für Vereinsobleute, touristische Anbieter, WinzerInnen, KMUs  etc.

Erhebung aller Vereine in den Mitgliedsgemeinden
Um die in Phase 1 gewonnenen Erkenntnisse auch für Vereinsobleute, touristische Anbieter, WinzerInnen oder UnternehmerInnen entsprechend umsetzen zu können, wurde vom Büro der Kleinregion eine Erhebung aller Vereine bzw. eine Aktualisierung des Bestands durchgeführt.

Eine Bedarfserhebung, wie sie in Phase 1 durchgeführt worden ist, erschien bei der Fülle an Vereinen und WinzerInnen (rund 400 unterschiedliche Vereine oder vereinsähnliche Zusammenschlüsse in der Kleinregion) nicht zielführend und auch nicht leistbar. Um nun doch auf ein mögliches Schulungsangebot Rückschlüsse ziehen zu können, wurden nach einem statistischen Auswahlverfahren Telefoninterviews (Fragebogen) mit 50 Personen durchgeführt.

Auf Basis der durchgeführten Analysen und Auswertungen wurden vom Projektteam folgende zwei Module ausgearbeitet:

  • Modul 1: Internet und Email Grundkurs
  • Modul 2: Plakatgestaltung mit Corel Draw

Den potentiellen TeilnehmerInnen wurden pro Modul, ebenfalls nach vorangegangener Erhebung am Präsentationsabend, jeweils zwei Kurstermine (Dauer rund drei Stunden) in den EDV-Räumen der Schulen im Dreiländereck zur Auswahl gestellt. Die Bekanntmachung erfolgte durch ein Direktmail an 230 Vereinsobleute, an 200 WinzerInnen und DirektvermarkterInnen sowie durch Presseartikel in der Regionszeitung „Wecker“ bzw. in den Bezirkszeitungen. Die Organisation wurde dabei zur Gänze vom Büro der Kleinregion getragen.

Beteiligungsprozess
Obwohl der Aufwand zur Datenerhebung und nachfolgenden Bewerbung der Module im Vergleich zur Phase 1 ungleich höher war, war die Beteiligung in der Region mit sechs Personen am Modul 1 und elf Personen am Modul 2 sehr niedrig. Die Gründe für die geringe Akzeptanz können nicht schlüssig erklärt werden.

Projekterfolg/Empfehlungen:

Grundsätzlich konnten sich alle in den Mitgliedsgemeinden tätigen GemeindesekretärInnen zu den Modulen anmelden. Es oblag der Entscheidung der Gemeinde, ob und wer bei den Modulen teilnimmt. Die Zahl der TeilnehmerInnen war bei allen drei Modulen sehr hoch.

  • Modul 1: 19 Personen,
  • Modul 2: 18 Personen und
  • Modul 3: 17 Personen.

Auffallend dabei war, dass die einzelnen Personen mindestens zwei, wenn nicht alle drei Module absolvierten. Die Gründe für die rege Teilnahme lagen einerseits am mehrfach angesprochenen Schulungsdefizit, andererseits an der attraktiven Preisgestaltung sowie auch am Vernetzungsmanko der GemeindesekretärInnen. Das gegenseitige Kennenlernen der in den Nachbargemeinden tätigen Personen war für viele ein wichtiger Zusatznutzen. In abschließenden Gesprächen wurde die Idee eines regelmäßigen Stammtisches bzw. eines Intranets für GemeindesekretärInnen andiskutiert.

Ergebnisse
Für die Planung und  erste Umsetzungsphase ist es sinnvoll, einen externen Projektcoach in die Konzeption miteinzubeziehen, damit der „Blick auf`s Ganze“ nicht verloren geht. Für die Detailplanung sowie die konkreten Umsetzungsschritte ist eine konstruktive und enge Zusammenarbeit des Schulungsleiters mit dem Büro der Kleinregion unabdingbar. Der Erfolg des Schulungsprogramms bedingt außerdem eine intensive Betreuung und Miteinbeziehung der potentiellen TeilnehmerInnen. Um einen „Energieverlust“ zu vermeiden, ist es außerdem wichtig, die Zeit zwischen Planung und Umsetzung relativ knapp zu halten.

Erfahrungen

Gemeinden
Eine wichtige Schlüsselerfahrung für den Erfolg in Phase 1 war, dass der Schulungsleiter aus den Reihen der „Ihren“ kam, in der Region in gewisser Weise eine Integrationsfigur darstellt und den meisten GemeindesekretärInnen schon bekannt war. Diese Art von Qualifizierungsverbund ist ein wichtiger Schritt für eine verbesserte Zusammenarbeit und intensivere Vernetzung der Gemeinden. Schulungen bei anderen Institutionen hätten wahrscheinlich nicht denselben Erfolg gezeigt. Die Bereitschaft zur Teilnahme am Projekt Telematik war deshalb gegeben, da die Module an die einzelnen Bedürfnisse individuell angepasst wurden bzw. der Schulungsleiter aus eigener Erfahrung die relevanten Themen kannte.

Zudem kann festgehalten werden, dass es nach Abhaltung der Module in mindestens der Hälfte der 12 Gemeinden zu einer besseren Akzeptanz der E-Mail-Korrespondenz, einer rascheren Bearbeitung von Mails und einer qualitativ besseren Zusammenarbeit mit dem Büro der Kleinregion gekommen ist. Das Feedback bei Zusammentreffen mit SchulungsteilnehmerInnen ist bei allen Gemeinden durchwegs positiv.

Vereine
Obwohl die Angebotspalette an Schulungsmodulen für Vereinsobleute umfangreicher angedacht war, musste sie nach eingehender Recherche auf nur zwei Module reduziert werden. Die Bereitschaft der Vereine zur Beteiligung an kleinregionalen Aktivitäten ist auch im Allgemeinen wenig vorhanden. Jene Vereine, WinzerInnen oder DirektvermarkterInnen, die schon länger in den Kleinregionsprozess aktiv eingebunden sind, stellten auch die TeilnehmerInnen der Module der Phase 2.

Erfolg

Das  Weinviertler Dreiländereck-Projekt TELEREGIONET „Fit für’s Netz“ wurde mit dem EUREGIO Innovationspreis 2004 ausgezeichnet.

Kosten und Finanzierung:

Gesamtkosten: EUR 16.000,-- inkl. MwSt.

Förderung
EUR 8.000,-- Abteilung Raumordnung und Regionalpolitik

Kontakt zur Kleinregion:

Brünnerstraße 28, 2170 Poysdorf

Tel. 02552/20444

E-Mail: office(at)wde.at

www.wde.at

TeilnehmerInnen aus den Gemeinden
(c) Weinviertler Dreiländereck
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